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Link zu meinem letzten Artikel in der taz

 

… Vielen Autoren geht es so. Man muss sich nicht selbst relativiert sehen von 124 000 Neuerscheinungen. Nein, man muss sich auch nicht persönlich davon überzeugen, wie wenig Sinn es macht, dieser Welt noch ein Buch hinzuzufügen. Und nein, man muss auch nicht aus nächster Nähe beobachten, wie das Buch immer weiter zur Ware Buch wird. Man lese dazu die  Seite 3 der gestrigen SZ: Frau Bachmann und Frau Jelinek erzählen in geheimer Mission wie Thalia und andere Ketten „das Buch“ zu einer „1-Euro-Ware“ herunterwirtschaften… und in den benachbarten Klein-Buchhandlungen wird Ladenfläche geräumt.

Abgesehen von Bewußtwerdung der eigenen Bedeutungslosigkeit, an der 93, 4 Prozent der anwesenden Autoren auf so einer Messe zu leiden haben, erspart man sich als Schreiberling noch einige weitere, weniger gravierende Kleinigkeiten durch so ein schlichtes Mittel wie Abwesenheit… Zum Beispiel welthaltige literarische Gespräche darüber, ob der Nobelpreis für Herta Müller nun ein politischer ist oder nicht. Weshalb sonst sollte ein Frau, dazu eine Emigrantin mit schlechtem Haarschnitt, einen solchen Preis erhalten. Das mit dem Fokus auf den Haarschnitt verdankt Herta Müller ihrer frisurbewußten Kollegin Elke Heidenreich. Ich bin sicher, in den Hallen wird es mehr Gespräche über diesen öden Haar-Kommentar geben als über Frau Heidenreichs letztes Buch… Auch das verpasse ich ungeniert…

Irgendwo wird Michel Krüger sitzen, auch mein verehrter Verleger, auch so etwas sollte man betonen in den Hallen der Buchmesse, jegliche Verwandtschaft zu Nobel-Familie ist hysterisch oder mittels understatement hervorzuheben, vor allem, wenn der eigene Verleger den Nobelpreisautor im Hause hat. Gelernt habe ich das vor Jahren von Autorenkollegen, die mit weit aufgerissenen Augen durch die Gänge liefen und von irgendwelchen e-mail-Wechseln mit Elfriede Jelinek schwadronierten. Ach ja, mein Verleger, der, dessen Haus den Nobelpreis erhalten hat, sogar den Friedensnobelpreis, dieser Verleger, den ich sehr schätze, natürlich, der hätte meiner Ansicht nach jedoch bei  so einem Nobelpeis für Herta Müller auch über Herta Müller und nicht hauptsächlich über Oskar Pastior reden können,  zumindest nebenbei, selbst wenn Oskar Pastior ein Herzenfänger war. Aber, man muss ihm diesen fauxpas nachsehen. Schließlicht hat er ganz gerührt noch hinzugefügt, dass sich Autorin und Verleger nach der Nobelpreisbekanntgabe am Telefon „still umarmt“ hätten. Ob die Autorin während dieser stillen Umarmung große schwarze Fragezeichen  auf einen Zeittel gekritzelt hat? Oder wie beantwortete sie sich die Frage danach, weshalb es nach der Bekanntgabe des Nobelkommitees in einem Artikel der New York Times nur „Herta WHO?“ heissen konnte? Denn von ihren 20 Büchern sind nur 5 ins Englische übersetzt. Zudem war das Einzige, was erlesene US-amerikanische Buchhändler über Herta Müller zu sagen hatten, dass sie nie von ihr gehört hatten. Dass Deutschland keine große Rolle spielt auf dem US-Markt,  das wissen wir längst, aber Rumänien? Wie ist es möglich, dass Herta Müller trotz der Anwärterschaft auf den Nobelpreis bis jetzt überhaupt nicht bemerkt worden war? Schliesslich hat der Verleger beste Kontakte in die USA, verlegt hierzulande seinerseits Nobelpreisanwärter aus den Staaten, denen er Ruhm, Ehre und eine große Lesergemeinde verschafft hat. Die Berge Phillip-Roth-Bücher dürften selbst weniger erlesenen Buchhändlern in Deutschland ein Begriff sein. Die umarmte Autorin Herta Müller ist jedoch ein unbeschriebenes Blatt in den USA. Was man verzeihen könnte, wäre sie es nicht letztlich auch bei der Mehrheit der Leser in Deutschland. Als hätten wir hierzulande Hunderte von Nobelpreisanwärtern und könnten da irgendeiner Herta Müller im In- und Ausland nicht gesonderte Aufmerksamkeit verschaffen. Über solche Markt-und Aufmerksamkeitsphänomene wird sicher nicht geredet werden auf der Messe, denn wer von den anwesenden Kulturschaffenden hat schon Zeit für die New York Times?

Michael Krüger wird dennoch stolz sein. Zu Recht. Auch KiWi wird stolz sein auf den Deutschen Buchpreis 2009. Zu Recht.  Die Experten werden viel über die Bücher reden. An den Ständen wird man sich kaum retten können vor literaturtheoretischen Überlegungen darüber, warum Kathrin Schmidt in ihrer kurzen Dankesrede zum Deutschen Buchpreis das Bild des Langstreckenläufers verwendet hat. Liegt das an der Bedeutung des Sports in totalitären Systemen? Es wird sicher tiefgründig darüber diskutiert werden, ob das ein Zeichen der Erdung oder des „literarischen Provinzialismus“ ist. Zur Abwechslung wird es um so tiefgründige Emotionalitäten gehen wie die, das renommierte LiteraturkritikerInnen dem Verlag KiWi den Preis gönnen. Andere hätten ihn lieber Suhrkamp gegönnt. Oder sonstwem.  Hier und da wird unsentimental, vor allem unsentimental, das „zweitbeste Buch“ (Steinfeld) und die unerhörte Autorin gelobt werden. Wieder andere, wie Christoph Schröder werden ihre Thesen direkt aus der taz in die heiligen Buchhallen transportieren, das wird dann so laufen, dass er sich mit anderen darüber ausläßt, weshalb sie Kathrin Schmidts Rede „peinlich“  fanden. Sehr gehaltvolle Diskussionen, die allesamt eines Literaturstudiums würdig waren, die uns weiterbringen werden im Kampf um hehre Inhalte in Zeiten der Super-Ware Buch. Auch interessant, dass Christoph Schröder im Feuilleton der taz Verlage bittet,  Autoren zu dressieren. Am besten wie in einer Hundeschule: Nehmen Sie Buchpreise entgegen wie Angelina Jolie den Woman Award. Was wäre die Buchwelt ohne ihre Anwälte, die sich in den Buchmessehallen sammen und auf ihre Gelegenheit warten. Auf die Gelgenheit, wichtiger zu sein als die Bücher selbst. Schließlich sind sie dank des Buchpreises bedeutender denn je, die Kritiker. Ich werde auch selbstverliebte Ausführungen über die weltweite Einmaligkeit des deutschen Feuilletons verpassen… Ob ich das aushalte?

Irgendwo, in irgendeiner Halle, wird sich sicher Joachim Fuchsberger tummeln oder einer wie Joachim Fuchsberger. Leute, die vor einer kleinen Menschenansammlung ihren TV-Charme spielen lassen, der davon lebt, dass die Besucher endlich rufen dürfen: Ah, den kenn ich! Sagt ich doch, dass ich gerne Bücher les`… Überhaupt wird es vor TV- Leuten nur so wimmeln, die den Besuchern bestätigen werden, dass sie Bücher wirklich mögen: Roger Willemsen, Charlotte Roche und zahllose andere Nämchen und Gesichtlein, die wir aus dem öffentlich-rechtlichen oder privaten Fernsehen kennen. Vielleicht hoppelt irgendwo sogar das Moppel-Ich durch die Hallen? Dazu Musik von Bushido oder Sido und wen wir nicht noch alles von myspace und youtube kennen oder auf dem ipod haben… Aber das Buch kommt jetzt ja auch digital, wird es dann heißen, was soll das Unterscheiden, ist doch von gestern, ist alles Speicherplatz, Punkt… Vielleicht hat auch Iris Berben wieder ein Buch über verdienstvolle Frauen mitherausgegeben, auf dessen Cover sie ein Bild von sich selbst setzen kann…. Oder eins über Israel mit einem Bild von Frau Berben drauf… Oder eins über die RAF mit einem Bild von Iris Berben vorne drauf… Man kann nie wissen, die Messe ist voller Überraschungen…

Man könnte hoffen, hier und da einen netten Kollegen zu treffen, aber die Nettesten bleiben gewöhnlich Daheim. Oder zeigen sich erst abends auf den Verlagsfesten. Sattdessen träfe ich in den Hallen auf die zwar netten aber hippeligen und loslabernden Kollegen wie Rainald Goetz und Thomas Meinecke , die irgendwo wie faltig-karikierte 30Jährige Tekknohippies auf Ecstasy durch die Gänge laufen  und so tun würden, als wäre ihre Haltung zu Literatur heute noch schockierend wie damals Jeanshosen. Zumindest müsste ich mich danach um den Unruhegrad meines Sehzentrum sorgen.

Das einzige, was ich vermissen werde, sind die überteuerten Wiener Würstchen und der Kartoffelsalat aus weißen oder durchsichtigen Eimern, die man in den sterilen Gängen kaufen kann… Auch die Plätzchen und Freigetränke an den Ständen werde ich vermissen…  Hier und da einen aufgelösten Buchmessegast, der sich nicht mehr einkriegt, weil er gerade jemandem begegnet ist, dem er lieber nicht begegnet wäre und der einem bestätigt, dass es wirklich nichts Besseres gibt, als niemandem zu kennen, dem man nicht begegnen möchte.

Und die Diskussionen um China und die Buchmesse? Da hielte ich es wie Phillip Roth im FR.Interview: „Das höre ich von Ihnen zum ersten Mal.“ Am besten sonor gesprochen. Angerauht. Sei´s drum.

… endlich keine Weltuntergangsstimmung  verbreiten, es gibt gute Nachrichten, zum Beispiel diese:

EIN WORT ZUR KRISE AUS KARLSRUHE

Private Krankenkassen werden verpflichtet, einen Basistarif anzubieten. Die Zahl der Menschen ohne Krankenkassenschutz soll nicht weiter steigen… So kann´s also auch gehen, mit Verstand.

Leider hab ich kaum Zeit,  doch diese Neuigkeiten sind der Wahnsinn. Welches Recht ist nun dafür zuständige?

Bis zum Intimleben der Menschen, alles ausgezogen, aufgeschrieben, protokolliert… Es zählt, wer mit wem ins Bett geht, wenn man in die Chefetage will…

Hier der Link zum Artikel

Lesenswerter Artikel auf Achse des Guten von Dr.Cora Stephan

Lil Wayne quote pictures

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Wer Zeit und Lust hat, kann gerne mal hier vorbei sehen, finde die Artikel interessant…leider heute keine Zeit zu schreiben…

Geosklaverei Position ist Identität

Freunde statt Geld

Nach den eifrigen Gesetzen, die das Internet vor Kinderpornografie schützen sollen, wünscht sich Frau Zypries heute weitere Zensur und Kontrolle. Die Politik scheint endlose Gänge von Hintertürchen bereitzuhalten. Es wird Leistungsschutzrecht für Zeitungen gefordert, Zensur in Form von Abhängigkeit also. Denn der Geschütze wird dem Schützenden auch immer Schutzgeld zahlen müssen. Der Alptraum der Gegener dieses Gesetzesentwürfe kündigt sich an.Die Fragen, die sich stellen, liegen auf der Hand. Ein Interview wie dieses von C. Rice, das von einer Gruppe junger Studenten geführt wurde, fiele es der Zensur zum Opfer? Brauchen wir Subventionen für Zeitungen? Die Lage ist doch so, dass jede Pressekonferenz mit Politikern inzwischen zu einem Bauchgepinsel der Mächtigen verkommt.  Fragen, wie sie dieser Student an C. Rice stellt, wagt schon  lange kein Journalist mehr, dafür müssen wir ins Kino und den Guten Gärtner sehen, wo Rachel Weisz eine engagierte Journalisin mimt. Noch mehr Schutz für Zeitungen bedeutet auch: noch abhängigere Journalisten. Die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen ist die Aufgabe der vierten Gewalt, wenn diese versagt, wie steht es dann um unsere Demokratie?  „Do your homework!“ zischt C. Rice dem jungen Studen giftig ins Ohr.

Die etablierten Journalisten haben ihre Hausaufgaben gemacht, so gut, dass es viele Bürger nicht mehr interessiert. Sie lesen lieber im Internet, auf der hoffnungslosen Suche nach Authentischem, nach echtem Material, wie dieses Video es ist. Das kann man als Ende des Qualitätsjournlismus deuten oder eben als Sehnsucht der Leser nach Wahrheit. Denn in den Zeitungen wird sie so wie in diesem Interview nicht zu finden sein und wenn, dann erst, nachdem es bereits im Internet zu finden war. Mrs Rice meint den jungen Mann vorzuführen und führt dabei nichts als jene Züchtugung vor, die Politker mit Journalisten vornehmen. Unbedingt sehenswert.

Zusatz:

Der junge Student, der all diesen Tumult ausgelöst hat, denkt über sein Verhalten und die Folgen nach

… fragte die Brigitte  und erhielt folgende Antworten:

Link zur Brigitte – Umfrage

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