Den ganzen Morgen verschwendet an einen Haufen nachvollziehbarer Gedanken. Nachvollziehbarkeit. Akademische Prämisse nr.1. Falsifizierbarkeit. Verrifizierbarkeit, am Ende steht ohnehin irgendwie Einigkeit, selbst wenn sie sich widersprechen, sind sie sich einig. Anlass: Zadie Smith lässt sich in der New York Review of Books über Netherland (Joseph O´Neill) und Remainder (Tom Mc Carthy) aus, „Two paths for the Novel“ heißt der Essay. Ja, die Lady hat sich seit White Teeth beachtlich gebildet. Die linken Intellektuellen sind sich einig, dass sie zu einer Randgruppe gehören, dass ihre Fassung der Welt nicht gehört wird. So ein Schwachsinn. Diese Fassung der Welt wird gehört wie jede andere. Der Schaden ist, dass sie manchmal nicht verkauft wird, weil keiner das lesen, wissen und übers Leben denken will. Weil keiner aufstehen will mit dem Scheissgefühl, dass es Leben ohnehin nicht gibt und die Literatur dazu da ist, diesen Nicht-Leben-Thesen zu dienen. Diese Sicht der Welt ist nicht, wie die Lady sagt, jenseits des Mainstream, sie ist ebenso Mainstream wie der angebliche Mainstream. Inzwischen sind doch alle einfach nur gelangweilt von ihren eigenen Kategorien, von der Erhabenheit, die es auslöst, kein Gefühl zuzulassen, kein Gefühl darzustellen, kein Gefühl zu riskieren, könnte ja den Verstand ausschalten und die Zivilisation gefährden. Bei all der Langeweile in disguise of so-called Intellectuals springt heutzutage eben keine französische Revolution mehr hervor. Es gibt kein Gefühl, keinen authentischen Menschen, kein authentisches Leben und und. Deshalb brauchen wir wohl Schachteln, in denen wir denken, völlig abgekapselt vom Leben, damit einem nicht auffällt, dass man nichts mehr erlebt und damit einen die lästigen Fragen eines Mittelschichtslebens, ob es das ist, wo man hinwollte, nicht länger behelligen. Man sagt einfach, dass ohnehin kein Mensch fühlen kann, dass Erfahrung Schwachsinn ist, Sinnsuche christlich und somit gestrig, man sagt einfach und sagt einfach und sagt einfach und beschwert sich, wenn jene die zuhören, schwinden…
Im Gegesatz dazu
„Meine Sprache hat nur dann Schwerkraft, wenn ich aus meinen Erfahrungen spreche“(Ralf Rothmann)