Julie Christie

Natürlich wünscht man jenen, die man bewundert Erfolg… Und dass Julie Christie nun als heissteste Anwärterin für den Oscar als beste weibliche Darstellerin gilt ist sicher ein Gewinn. Und doch hätte man es gern für sich behalten, manchmal ist es, wenn man das Schöne teilt, als müsse man es weggeben… ich habe den Film auf der Berlinale gesehen, Sarah Polley war da und erzählte danach, wie viel Mühe es gekostet hat, Julie Christie wieder zum Spielen zu bringen…  Selten waren die Augen des Alters so unerträglich schön, das Vergessen so nah am Leben dran, dass man irgendwen strafen wollte für das Verbrechen, einem Menschen die Erinnerung, das Leben zu nehmen… Ich weiß noch, wie wir diskutierten nach dem Film, über die Liebe der beiden und wie ich mich weigerte, darin eine wirkliche Liebe sehen zu wollen, weil er ihren Wunsch, respektiert hatte, den Wunsch, sie in ein Heim zu liefern, sobald die Anzeichen der Krankheit sich ausprägten… ich glaube, ich hätte es als Liebesgeschichte empfunden, wenn er diesen Wunsch mißachtet hätte, wenn er sie stattdessen in ihrer Not gesehen hätte, dass man vor dem Liebenden nicht der bedürftigste Mensch sein will… Wie sie das spielt, die neue Liebe zu jemanden, der nichts von ihr verlangt, der ihr Gesicht zeichnet, ohne darüber zu reden, in einen Strich all sein Sehen, Verstehen dieser Schönheit legen kann, sodass der andere nur zusehen muss… Im Alter dann kein Bedarf mehr nach seinen Studentinnen sondern nach der Frau, die ihn vergisst…  So viele Fragen, und dennoch ist mir nicht der Film geblieben, sondern sie, was für die Qualität des Films spricht, er lebt von seinen Figuren, all des Reden um die Techniken und Darstellungsweisen, wenn nicht das Gefühl bleibt, fast einem Menschen begegnet zu sein, wozu das alles?

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13 thoughts on “Julie Christie

  1. ich glaube echte liebe ist sie gehen zu lassen – ihr wunsch ist der wichtigere.
    klüger auch, wahrer –
    und
    tapfer
    sehr beeindruckend

    SV

  2. Ja, nur war das der echte Wunsch? Ist es immer der echte Wunsch, wenn man Distanz wünscht um sich nicht bloßzulegen… Ist das nicht unsere Angst heute, sich zuzumuten… Und er ist ihr ja dann auch nachgegangen und hat ihr beim sich neu verlieben zugesehen… manchmal hab ich das Gefühl, wir wissen vor lauter Tapferkeit und Angst doch kaum mehr, was wir wirklich wünschen… Sie ist trotzdem divina, wie die Spanier zu solchen Frauen sagen und recht haben…

  3. ja, da hast du recht jagoda.

    was ist der echte wunsch des einzelnen? es gibt verschiedene wege …. und das entscheidet man immer selber!

    wenn ich mich in euer gespräch einklicken darf.

    lg asita

  4. Natürlich darfst du, ich freue mich sehr! Das alles ist noch wie eine Spielwiese, um für Toronto zu üben… Worüber schreibt man und wie in so einem Blog, das muss ich herausfinden, es ist aber schön, Themen zu suchen… und schön auch, wenn es dann Antworten gibt…Ist es nicht seltsam, dass heutzutage immer schwerer selbst entschieden wird, so zumindest mein Eindruck…

  5. toronto, was passiert in toronto, ein neues projekt? ein künstlerisches?

    wird man nicht das halbe leben erzogen, nicht selber zu entscheiden? und dann kommt plötzlich die zeit, dann wird man „in den kalten teich geworfen“. einige schaffen das kalte wasser, aber einige nicht, sie suchen sich andere, die die entscheidung für sie übernehmen. ist ja auch einfacher, oder? ;o)
    die leute, die entscheidungen selber treffen, haben es, glaube ich, schwerer.

    aber so ist es nunmal …

  6. Ja, Toronto ist Gothe-Munk Writer´s Residency, dort soll ich ins Künstlerleben der Stadt eingeführt werden und mit Tätern wie Opfern diskutieren 🙂 ich freu mich schon sehr darauf… Da werde ich dann hier auch eine Art OnlineTagebuch führen, deshalb überhaupt die ganze Blog-Idee…

    Ja, das mit dem kalten Teich ist wohl wahr… dauert lange, bis man schwimmen lernt so ganz auf die eigene Art und dabei das Gefühl hat, voranzukommen, finde ich…

  7. Mich darüber zu freuen, dass ich selbst entscheiden kann, zu überlegen, wo lasse ich mich bevormunden (von wem auch immer) und die Bevormundungen auf die Seite zu schieben und das tun, was ich will – das ist für mich ein lebenslanger Prozess, gerade weil ich wie viele andere ganz anders erzogen wurde.
    Aber ich glaube nicht, dass das etwas von „heutzutage“ ist – früher waren es einfach die Kirche, der Lehrer, der Vater undsoweiter die für einem entschieden haben.
    Den Film mit Julie Christie habe ich auch gesehen (er basiert auf einer Geschichte von Alice Munroe – tolle kanadische Erzählerin), er hat mich SEHR berührt und er lässt mich mit vielen Fragen zurück auf die ich keine Antwort weiss.
    Liebe Grüsse Erwin (alias Paradiesvogel)

  8. einerseits stimme ich dir zu erwin, aber anderseits? gestern war ich in meiner stadt unterwegs, mal gucken wie die leute karneval feiern. ich war sehr erschreckt, warum? ich habe viele jugendliche gesehn, die nur noch durch die gegend getorkelt sind. ich war in meiner jugend auch alkoholisiert, aber nicht so wie die jugend jetzt. ich frage mich wo sind die eltern? wissen die was ihre kinder so tun?

    ich finde heutzutage ist alles lockerer geworden, für meine begriffe ein bißchen zu locker, oder sehe ich das zu schwarz?
    lg asita

  9. Liebe Asita, lieber Erwin,
    schaut doch mal bei der Diskussion von „nun also doch“ rein, da geht es ganau darum… Heute im hiesigen Regionalblatt auchj ein Bericht über bednelichen Alkoholkonsum der Studenten… Ich bin etwas vorsichtig damit , dass irgendwelche Leute alles für bedenklich befinden, aber dann kann man das ja bedenken…

  10. servus,

    enschiden – nie kann ich glauben, daß man das tut: überlegen, nachdenken, planen und das ergebnis ergibt dann die entscheidung.
    mach einen plan und er wird zunichte werden, sagt der Rabbi

    und das ist ja nur etwas das einem der tägliche rundumblick zeigt.

    man entscheidet sich nicht dafür, betrunken herumzustolpern, es ist eine summe von kleinigkeiten und machmal ist esdie winzigste kleinigkeit die den ausschlag gibt.

    klar, ein wenig selberdenken hilft schon, und will man etwas, heißts ganz ernsthaft bemühen – was man tun kann, ist herauszufinden was man will, wollen könnt, ausprobieren möcht …

    erfreulichen tag
    SV

  11. natürlich nimmt man sich morgens nicht vor durch die gegend zu torkeln … und hast schon recht, verschiedene gründe und kleinigkeiten geben den ausschlag (ist das richtig gesagt?) …

    aber es war so krass in der menge zu stehn und um dich herum …

    meine frage wäre, kann man nicht auch so feiern? und lustig , freudig, aufgedreht sein?

    und zum schluss: einer der größten werte ist, dass man es selber entscheiden kann und so soll es auch sein. wie heißt es so schön: probieren geht über studieren.

    lg asita

  12. wenn euch der film so gefallen hat, dann umbedingt die erzählung dazu auch lesen. geschrieben, wie schon gesagt von der kanadischen autorin alice munro in ihrem erzählband: himmel und hölle.

    ich finde, sie ist einer der besten autorinen dieser zeit. vorallem ist sie ein as im kurzgeschichten schreiben!!

    lg asita

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