Obama vs. Clinton

Aus irgendeinem Grund scheint es nicht einfach. Das steht seit Jahrzehnten wieder einer, der reden kann wie einst die Kennedys, der Bücher schreibt, der Visionen vertritt, die Verführung, die Einladung ist immens. Doch Ms. Clinton hält sich, nicht nur das, sie führt, sie erfindet sich neu, was ja Obamas Slogan ist, sie weint, wird dafür verspottet, weint weiter, unbeirrt, solange es hilft. Es hilft. Die Frauen sehen sie endlich als Frau und die Männer sehen sie immer noch nicht als Frau, was in diesem Fall ein Vorteil ist. Selbst offene Amerikaner, die ihrem Land einen Ruck wünschen, wie das bei uns genannt wurde, sind hin und her gerissen. Die Jugend Obamas stünde im Weg. Sein Redenschreiber, begnadet, aber sechsundzwanzig. Alles nur Poeten? Was ist der Nachteil der Jugend? Roosewelt, der amerikansiche Teddybär unter den Präsidenten, war der jüngste Präsident, mit 42 hatte er das Amt inne, nachdem sein Vorgänger einem Attentat zum Opfer gefallen war. Er, ähnlich wie Bush, machte sich einen Namen mit einer Invasion (Kuba), die er offiziell als humanitäre Interventionen bezeichnete. Kennedy, der mit 42 Jüngste, der je zum Präsidenten gewählt wurde, könnte gegensätzlicher als Teddy Roosevelt nicht sein. Die Jugend scheint kein Richtmaß für die Politik eines Mr. President und doch scheinen wir ihr zu Mißtrauen. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Mensch, der in dem Alter da steht, wo Obama nun steht, jemals jung war. So wie Normalbürger jung sind. Nur wenige schaffen es, wie Bush, von den Anonymen Alkoholikern in den Präsidentensessel. Ms. Clintons größtes Kapital ist, dass sie verspricht, dass alles bleibt wie es ist und dabei besser wird. Obama verspricht, dass es nur besser werden kann, wenn es nicht bleibt wie es ist. So groß wie die Sehnsucht nach Wechsel, so groß ist auch die Angst vor dem Unbekannten. Und obschon Obama sicher nicht zu den jungen Wilden gehört, lastet ihm der Fluch der Jugend an, wie wir sie mißverstehen.

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5 thoughts on “Obama vs. Clinton

  1. Die allermeisten US-Amerikaner haben keine Sehnsucht nach Wechsel. Sie möchten, dass alles so bleibt, wie es seit den amerikanischen Anfängen war. Der weiße Mann (Betonung liegt auf Mann) sagt der eigenen Bevölkerung und der ganzen Welt wie es zu gehen hat. Indians, Schwarze, familienidyllisch-klerikal sozialisierte Frauen, Irakis können davon berichten. Ich befürchte die Wahl weiblich oder schwarz wird so entschieden – McCain – trotz amerikanischem Jugendwahn.

    Angst ist allerdings eine wichtige Komponete der amerikanischen Seele. Man betrachte nur die amerikanische Fernsehfilmproduktion: Gibt es andere Plots als dräuendes Unheil, das in die Mittelstandsidylle einbricht? Ich nenn’s das Winnetou-Trauma: alle „echten Amerikaner“ sind stets von sklapjagenden Indianern umgeben.
    RR

  2. Ich mag das alles sehr, es macht ich irgendwie lachen, so ungeheuerlich es klingt, aber unsere Idee von der amerikanischen Seele sind ja auch Ungeheuer. Und ich kann nicht wirklich sagen, dass ich Einblick in ihre Seelen habe oder sie verstehe, das Problem ist, dass sie auch in ihren Büchern nur solche Geschichten erzählen und das bei Ihnen das, was bei uns Bekenntnisliteratur heisst, ein großer Beitrag zum Weltfrieden wäre… Wir bemühen zum Verständnis dieser Verhaltensweisen noch immer ihre eigenen Mythen und Hollywood Filme, die auch ihre eigenen Mythen sind… also alles nicht so einfach, wahrscheinlich stimmt es, dass man die Irakis fragen sollte…

  3. wollen wir wechsel?

    was neues bringt umdenken, neuanfang, änderung, zurücklassen usw … wir haben uns an den „alltag“ gewöhnt. gleiche wege, strecken, riten. und das jetzt ändern? oh, nein.

    oder doch? ALLES neu.

    geht es nicht jedem so?

  4. servus,

    ich denke Amerikaner sind wie wir …
    weiß eh, eine ungeheuere behauptung …

    früher dachte ich:
    die einzige daseinsberechtigung für Amerika ist, daß sie uns Coca Cola und Rock’n’Roll gebracht haben, aber ich werd freundlicher im urteil.. sie sind wie wi,r nur haben sie weniger filter.
    unsere kulturelle tünche ist vielleicht stärker. ich hab den eindruck, wenn sie weinen wollen, weinen sie lauter, wenn sie essen wollen, essen sie mehr, wenn die töten wollen, töten sie mehr –

    wir tun das alles auch, aber ein wenig dezenter.
    der wahlkampf bei uns ist auch völlig unsinnig, inhaltsleer und daneben, aber noch nicht ganz so heftig.
    ich weiß bei uns bald nicht mehr wen wählen, wie kann man da im amerikanischen irrsinn zu einer entscheidung kommen …

    mich so ganz fernhalten, klappt noch nicht, auch wenns Chuck empfiehlt:

    Too much monkey business, too much monkey business.
    Too much monkey business for me to be involved in!

    grüße
    SV

  5. der wunsch nach wechsel und neuanfang ist durchaus vorhanden in den vereinigten staaten dieser tage – allerdings hauptsächlich bei dem bevölkerungsteil, der die 30 noch nicht überschritten hat. für die jungen ist obama hoffnungsträger, und zwar interessanterweise durch alle schichten hindurch – es ist längst kein reines ostküsten-establishment-phänomen mehr, wenn er auch in diesen reihen nach wie vor die größte anhängerschaft hat. der alte haudegen der südstaaten-republikaner, McCain, baut seinen wahlkampf thematisch auf eben seiner – altersgemäßen – erfahrung auf, was die inszenierung betrifft, so ist jugendlichkeit im US-Wahlkampf Trumpf, das gilt auch für Kandidaten jenseits der 70. Damit diese Botschaft den Bürger auch erreicht, präsentiert sich McCain schon mal mit seiner 95-jährigen Mutter auf Wahlkampfveranstaltungen, wie vergangenen Dienstag auf der New Yorker Rockefeller Plaza. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen politischem Popkonzert, nostalgischem Patriotismus und beinhartem Konservatismus – dass McCain der religiösen Rechten als zu liberal gilt, hat im übrigen nichts zu besagen; für europäische Maßstäbe sind die Leitlinien der Christian Right eh nur mehr schwer nachvollziehbar. Interessant ist vielmehr, dass dem amerikanischen Volk unabhängig von der jeweiligen politischen Präferenz die programmatische Kost offenbar in einer bestimmt fröhlich-kämpferischen Kindergeburtstagsstimmung vorgesetzt werden muss – das gilt für Republikaner wie für Demokraten, so gesehen beim Vietnam-Veteranen und Kriegsbefürworter McCain wie auch tags zuvor beim Kriegsgegner Obama im Nachbarstaat Connecticut.

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