Vicky Christina Barcelona

Doch hier liebt eine Künstlerin die Kunst einer vielleicht angehenden Künstlerin und man sieht, was Liebe leisten kann, auch in der Kunst… Dass sie dabei manchmal mit dem Messer auf jene losgeht, die sie liebt, dass sie manchmal wild um sich schießt und ihr eigenes oder fremdes Leben auslöschen möchte, ist ein weiteres Klischee von Genie und Wahnsinn, das nicht rührt an dieser Stelle, aber mitnimmt und die Frage danach stellt, weshalb wir das so wünschenswert finden, weshalb die lebendigste Figur in dem Film jene ist, die töten kann.

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Wenn man einen leichten, schönen Kinoabend wünscht, ist das der richtige Film… Plätschernd. Ein Märchenerzähler bringt uns aus dem Off die beiden amerikanischen Freundinnen und Touristinnen Vicky(Rebecca Hall) und Christina (Scarlett Jonhansson) nah. Tja, gäbe es wirklich viel über die Damen zu sagen? Wer weiß, sie scheine ihrer Abgründe zu haben, die an der Oberfläche nicht sichtbar sind, die Bilder laden ein, schöne Gesichter, Barcelona im Sommer, junge Frauen als Mädchen getarnt erleben Europa, die obligatorische Europareise der Amerikaner wie sie schon von Herny James beschworen wurde, ein Abenteuertraum, der, in welcher Form auch immer, im Erwachsenwerden münden wird.

Javier Bardem tritt schnell auf die Bildfläche und es wird nicht lange durch Blumen gesprochen; schon beim ersten wünschte er mit den Damen sein Bett zu teilen. Mit beiden, versteht sich. Johansson mimt natürlich die, die weder ihre Augenfarbe kennt, noch weiß, wie ihre Lippen wirken, die es kaum erwarten kann, dass ihr Einer die Führung in Sachen Liebesleben abnimmt, schließlich ist sie blondiert. Die Brünette Vicky übernimmt unterdessen das Denken im Übermaß. Denken, analysieren, interpreieren, kurz: kontrollieren. Trotzdem sitzt sie wenig später mit dem Maler Juan Antonio (Bardem) und ihrer Freundin Christina im Unwetter über den Wolken. Privatjet natürlich, die Kunst ist wie die Börse, ein große Geldblase. Während Chrstina schon im Flieger mit dem Vorspiel einsetzt, wird sie nachts von ihrem Magen k.o. gesetzt, just in dem Moment, da sie den Eindruck hatte, der Grund für ihren Schwächeanfall könnte auch Bardem sein. Doch nein, es war ihr Magen und die Unfähigkeit ihres Körpers, Alkohol gekonnt zu plazieren… Muss sich nun die arme Brünette unverhofft mit dem Maler herumschlagen, und siehe da, er hat für jede Frau die passende Karte im Register, es folgt der Besuch beim alten, bilderbuchspanischen Vater, angeblicher Poet, der seine Werke der Welt vorenthalten möchte, weil sie zu gut sind für diese Welt… Juan Antonio ist jeder dieser Frau das, was sie sich wünscht. Die Frauen sind ihm jedoch das, was er nicht haben kann: Ergänzungen oder Gegenentwürfe zu Maria Elena (Penelope Cruz), der Frau seines Lebens, die ihn umbringen wollte, die er lieben muss, mit der er aber nicht leben kann…

Natürlich wird alles bunt durcheinander gewirbelt, Woody Allen spielt mit allen Klischees von Amerika, Toursimus, Wohlstand, Mittelmeer und Kunst. Wir begegnen den Klischees von Frauen aller Haarfarben, der schönsten Großstadt Europas von ihrer sonnigsten Seite, es gibt kaum Schatten in diesem Film, der dunkelste Schatten ist die Langeweile, Ennui der Wohlstandsmenschen und Amerikaner. Dabei sind alle Wohlstandsmenschen, die reichen Spanier leben aber dennoch in Steinhäusern, geerdet und gebräunt, träumen von Liebe und Sex mit der Schwiegertochter oder einfach nur Sex, tänzeln durch ein Leben zwischen Sinnlichkeit und Eifersucht, ein Leben, das vor Leidenschaft stillsteht und dann in Bildern, Worten und Augen zu Ausdruck explodiert…

Das Klischee überzeugt, man weiß, was man bekommt, man will nicht tiefer gehen als Zuschauer, man sieht sich all das gerne an, aber auch etwas unbeteiligt, wie Urlaubsfotos von Freund und ist dankbar als Penelope Cruz endlich auf der Leinwand explodiert: in alle Richtungen: sie weiß alles, kann alles, ist Genie, nicht talent, ist großkotzig, arrogant und ignorant gegen alles, das sie nicht zum Leben erweckt hat… Doch da ist auch ihre Liebe: zu ihm, zu sich, zur Kunst und auch zu Christina… Wie sie die Photographin in der jungen Amerikanerin erweckt, die widerum in ihr, das Lieblingsmotiv entdeckt… Warum hat Juan Antonio es nicht erkannt, ihr Talent, warum braucht es eine Frau, um das Talent anderer zu ertragen oder gar zu fördern? Frauen gelten als neidvolle Zicken und Intrigantinnen, ihr Weg zu einem Mann oder Beruf war scheinbar oft so steinig, dass man härter und strenger sein muss als Männer, so das Klischee. Doch hier liebt eine Künstlerin die Kunst einer vielleicht angehenden Künstlerin und man sieht, was Liebe leisten kann, auch in der Kunst… Dass sie dabei manchmal mit dem Messer auf jene losgeht, die sie liebt, dass sie manchmal wild um sich schießt und ihr eigenes oder fremdes Leben auslöschen möchte, ist ein weiteres Klischee von Genie und Wahnsinn, das nicht rührt an dieser Stelle, nur dargestellt wird und die Frage danach stellt, weshalb wir das so wünschenswert finden, weshalb die lebendigste Figur in diesem Film jene ist, die töten kann.

2 thoughts on “Vicky Christina Barcelona

  1. schon wieder ein woody allen. will er nicht mal aufhören? soll ich wieder reingehn in den film. was mich neugierig macht, ist die stadt barcelona. einer der schönsten städte der welt. nur das feeling zu bekommen …. die geschichte ist wiederrmal eine typische woody-allen-geschichte. so denk ich mir, oder?
    vielleicht ? gucken …..

  2. Ja, gucken, er muss nicht aufhören, er wird noch früh genug sterben…die Bilder sind schön, die stadt traumhaft, touristisch gezeigt, es ist kein bahnbrechender oder tief bewegender Film, aber so mancher Blick auf die Menschen ist immer noch amüsant entlarvend, die Liebe zur Schönheit und Neurose der Frau auf angenehme Weise ausgestellt, Penelope Cruz als irre Liebende ist toll… Aber, your choice, wenn du dir ohnehin das Ende seiner Arbeit wünschst, ist das vielleicht nicht das richtige…

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